Technischer Hochwasserschutz
Wo Menschen und Sachwerte von Überschwemmungen bedroht sind, ist technischer Hochwasserschutz unverzichtbar. Deiche und Mauern bieten Schutz bis zu dem Hochwasser, für das sie bemessen wurden - dem so genannten Bemessungsabfluss. Das ist in Bayern in der Regel ein hundertjährlicher Abfluss (HQ100). Darunter versteht man den Abfluss eines Gewässers, der an einem Standort im Mittel alle 100 Jahre einmal überschritten wird. Da es sich um einen Mittelwert handelt, kann dieser Abfluss innerhalb von 100 Jahren auch mehrfach auftreten.
Der technische Hochwasserschutz soll jedoch nicht dazu dienen, weitere hochwassergefährdete Gebiete zu bebauen. Auch die Möglichkeiten des technischen Hochwasserschutzes sind begrenzt. Es gibt immer wieder ein Hochwasser, das die maximale Höhe der Schutzanlagen überschreitet - dann wird das Hinterland überflutet, obwohl es durch technische Bauwerke geschützt ist.
Der technische Hochwasserschutz in Bayern konzentriert sich derzeit entsprechend dem Aktionsprogramm 2020 auf die folgenden Aufgaben:
- Hochwasserschutzmaßnahmen für besiedelte Gebiete verbessern
- Nachrüstung bestehender Deiche, die nicht mehr den Regeln der Technik entsprechen
- Neubau von Rückhaltebecken mit überörtlicher oder lokaler Bedeutung (z. B. Drachensee bei Furth im Wald, Goldbergsee bei Coburg)
- Bessere Nutzung vorhandener Talsperren und Rückhaltebecken (z. B. Forggensee bei Füssen)
- Anlage von Flutpoldern mit insgesamt mindestens 30 Millionen Kubikmetern Rückhalteraum
- Verstärkter Hochwasserschutz an Wildbächen.
Individueller Maßnahmenmix vor Ort
Deiche und Mauern baut der Mensch von alters her, um sich gegen das Hochwasser zu schützen. Mit den noch heute wirksamen, systematischen Deichsystemen wurde Ende des 19. Jh. begonnen.
Doch Deiche und Mauern allein bieten keinen nachhaltigen Schutz. Der örtliche Hochwasserschutz erfordert eine Kombination von verschiedenen Maßnahmen, die an den hochwassergefährdeten Stellen zusammenwirken. Im Wesentlichen sind das neben Deichen und Mauern
- das Vergrößern des Flussbetts
- das Anlegen von Flutmulden
- eine Binnenentwässerung, um Regenwasser und ansteigendes Grundwasser zu sammeln und wegzupumpen
- der Einsatz mobiler Schutzelemente dort, wo die örtlichen Randbedingungen das zulassen
Welche Maßnahmen zum Einsatz kommen, wird vor Ort mit den Bürgern diskutiert und an Hand wasserwirtschaftlicher Gegebenheiten in Abstimmung mit den Belangen von Städtebau, Denkmalschutz, Landschafts- und Naturschutz entschieden.
Große Wasserspeicher sichern Städte und Dörfer
Als große Wasserspeicher mit überregionaler Schutzfunktion dienen Hochwasserrückhaltebecken und Talsperren. Bei Talsperren treten jedoch vielfach andere Aufgaben wie beispielsweise die Trinkwasserversorgung in den Vordergrund. Reicht das Stauvolumen der Wasserspeicher bei einem außergewöhnlichen Hochwasser nicht aus, werden die Wassermassen rechtzeitig über eine Hochwasserentlastung direkt in den Flusslauf abgegeben, um einen Dammbruch zu verhindern.
Der Sylvensteinspeicher schützt seit 1959 die Städte und Gemeinden entlang der Isar vor Hochwasser
Seit Inbetriebnahme des Sylvensteinspeichers werden die gefährlichen Hochwasserspitzen im Speicher zurückgehalten
Flutpolder nehmen dem Hochwasser die Spitze
Relativ neu in Bayern ist der Einsatz von so genannten Flutpoldern. Für das Anlegen eines Flutpolders wird das natürlich vorhandene Überschwemmungsgebiet durch einen Damm vom Flusslauf getrennt. Diese Fläche wird über ein steuerbares Einlaufbauwerk gezielt geflutet - im Idealfall kurz bevor die Hochwasserwelle ihre Spitze erreicht. Auf diese Weise lassen sich Hochwasserspitzen effektiv dämpfen. Bei sinkenden Pegeln wird die zurückgehaltene Wassermenge dann wieder in den Fluss abgegeben.
Maßnahmen des Freistaats Bayern
Derzeit laufen mehr als 400 Hochwasserschutzprojekte in Bayern. Auf der Grundlage des Aktionsprogramms 2020 wurden seit Anfang 2001 Hochwasserschutzmaßnahmen für etwa 122.000 Einwohner fertig gestellt.
Seit 1954 hat der Freistaat Bayern insgesamt 23 Wasserspeicher errichtet - davon dienen 21 auch dem Hochwasserschutz. Mittlerweile stellen die Speicher einen Anlagenwert von über 1 Milliarde Euro dar. Insgesamt wird dadurch ein Hochwasserrückhalteraum von 180 Millionen Kubikmeter gewährleistet. Mit dem Neubau der Hochwasserspeicher Furth im Wald und Beiersdorf bei Coburg werden weitere 6 Millionen Kubikmeter Rückhalteraum geschaffen.
Staatliche Wasserspeicher in Bayern
Weiterführende Informationen
Dokumente zum Download/Bestellen
- [INT] Einsatzmöglichkeiten für bewegliche Schutzelemente (PDF - 40 KB)
