Wasserwirtschaftsamt
Traunstein

Belastungen im Alpenraum

Durch die hohe Dynamik stellen schon die in der Natur ablaufenden Ereignisse eine Art "natürlicher Belastung" dar:

Diese Ereignisse sind natürlicher Bestandteil des alpinen Lebensraumes. Pflanzen und Tiere haben über die Jahrtausende gelernt, sich an diese Verhältnisse anzupassen und damit zu leben.

Eine abgegangene Lawine hat eine Schneise in den Bergwald gerissen + Lawinen reißen Schneisen in den Bergwald

Dies änderte sich jedoch, als der Mensch die Berge als Lebensraum entdeckte. Über viele Jahrhunderte lebte der Mensch in den Alpen im Einklang mit der Natur. Vor etwa 1000 Jahren haben sich die technischen und sozialen Voraussetzungen soweit entwickelt, dass die Nutzung der natürlichen Ressourcen der Berge erheblich gesteigert wurde. Holz war ein wichtiger Bau- und Brennstoff; schon im Mittelalter war dann etwa ein Drittel der ursprünglichen Waldfläche verschwunden. Auf den freien Flächen wurde die Almwirtschaft intensiviert, das Vieh wurde dabei auch in den Wald zum Weiden getrieben, was eine zusätzliche Belastung darstellte.

Eine Kuh, die im Wald weidet + Waldweide und Wildverbiss schädigen den Bergwald

Schon seit dem 18. Jahrhundert war ein deutlicher Bevölkerungsanstieg zu verzeichnen. Dementsprechend stieg der Nutzungsdruck im Alpenraum an. Vor etwa 150 Jahren wurde mit der Eindämmung und Begradigung der Talflüsse begonnen, um die Talräume für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Dies führte unter Anderem dazu, dass sich das Wild im Winter nicht mehr in die Täler zurückziehen kann, sondern im Bergwald überwintern muss. Auf der Futtersuche werden junge Bäume verbissen oder die Rinde abgeschält, was auch noch heute in vielen Bergwäldern zu großen Schäden führt. Etwa vor 100 Jahren folgte dann der Ausbau von Wildbächen, um die Siedlungen vor Hochwasser und Muren zu schützen. All die technischen Eingriffe können teilweise natürlich auch zu nachteiligen Veränderungen in der Ökologie der Gewässer führen. Etwa vor 100 Jahren war zunächst ein Rückgang der Bevölkerung in den Alpen zu verzeichnen. Viele Menschen flüchteten vor den harten Lebensbedingungen aus den Bergen in die Städte. Eine Entwicklung, die wir auch heute noch in einigen Gebirgsregionen der Alpen beobachten können. Dies änderte sich jedoch schlagartig mit dem Aufkommen des Tourismus vor etwa 50 Jahren. Ehemals kleine Bergdörfer „explodierten“ förmlich zu modernen Touristenzentren. Siedlungen und Straßen wurden häufig in gefährdete Gebiete hinein gebaut.

Markt Garmisch-Partenkirchen - 1861 war die Bebauung außerhalb des Gefahrenbereichs des Kankerbaches + Markt Garmisch-Partenkirchen 1861
Markt Garmisch-Partenkirchen – 1988 Das gefährdete Gebiet ist zwischenzeitlich komplett besiedelt + Markt Garmisch-Partenkirchen 1988

Für den Gast wurden Lifte, Skipisten oder Wanderwege angelegt, wobei oft nicht auf das empfindliche ökologische System geachtet wurde. Mit den Liftanlagen wurden plötzlich sehr viele Menschen in Höhen von bis zu 3000 m gebracht, in die „Kampfzonen“ des Lebens und Überlebens, wo schon kleine Störungen zu nachhaltigen Schäden führen können.

Erosionsschäden nach der Skisaison (zerstörte Grasnaben) + Erosionsschäden auf einer Skipiste

Ein weiteres großes Problem ist die rasante Steigerung des Verkehrsaufkommens, die noch weiter anhält. Da sind zum einen die Blechkarawanen, die sich an den Wochenenden oder in der Urlaubszeit in die Berge wälzen, um dort oder im sonnigen Süden Erholung zu finden. Dazu kommen die endlosen Schlangen der Lastwagen, die im Zuge der internationalen Verflechtung der Wirtschaft Güter über die Alpen befördern. Um dem hohen Verkehrsaufkommen gerecht zu werden, werden Autobahnen und Straßen gebaut. Lärm und Abgase erfüllen die Luft und belasten das empfindliche Ökosystem der Berge. Dazu kommen dann noch Schadstoffe in der Luft, die durch den Wind auch über große Entfernungen in die Berge geblasen werden. Schließlich ist es die Klimaänderung, die Anlass zur Sorge gibt. Es ist heute unbestritten, dass es schon in den nächsten Jahrzehnten zu einer Erwärmung kommen wird. Gerade bei empfindlichen Ökosystemen wie in den Alpen können schon kleine Veränderungen zu nachhaltigen Auswirkungen führen. Wir wissen heute noch nicht genau, wie sich diese Erwärmung konkret auswirken wird. Es steht jedoch zu befürchten, dass Naturgefahren wie Hochwasser, Muren, Rutschungen und Lawinen zunehmen werden. In mehreren Projekten wird derzeit untersucht, mit welchen Szenarien wir in den nächsten Jahrzehnten zu rechnen haben.

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